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Thomas
in Mosambik
Unter
anderem Stern - Reise-Abenteuer einmal anders: Intensiveinsatz
auf der Enduro in einem Hochwassergebiet im südöstlichen Afrika.
Langsam
öffnen sich die Rümpfe der vier mächtigen Transportmaschinen.
Müde vom langen Flug klettern die 60 Soldaten des österreichischen
Hilfskontingents über die Rampe und erhalten ihren ersten
Eindruck vom hochwassergeschädigten Mosambik: tropisch feucht,
heiß und schwül.
Mosambik
ist für die meisten Europäer ein unbekanntes Land im südöstlichen
Afrika. Kenner sind jedoch von den großartigen Stränden, den
weiten Savannen im Landesinneren und den vielen kleinen Dörfern
beeindruckt. Doch genießen können wir diese landschaftlichen
Schönheiten im Augenblick nicht: Eine Hochwasserkatastrophe
mit einer Überschwemmungsfläche so groß wie Deutschland hat
fast 2 Millionen Menschen obdachlos gemacht, Städte zerstört,
Straßen und Brücken weggeschwemmt und unzählige Menschleben
gefordert.
Unsere
Aufgabe ist es, im Raum Cibuto-Xai Xai, rund 200 km von der
Hauptstadt Maputo entfernt, im Überschwemmungsgebiet des Limpopo-Rivers
den Menschen zu helfen. Wir sollen Trinkwasser aufbereiten
- bis zu 160.000 Liter pro Tag. Zusätzlich helfen unsere Techniker
und Spezialisten, wo Not am Mann ist: Brunnen säubern und
wieder in Stand setzen, elektrische Pumpen reparieren, Wasserproben
nehmen, einfach überall dort, wo es notwendig ist.
Gemeinsam
mit einem spanischen Kameraden suche ich auf der Enduro im
Umkreis von 70 km um unser Lager nach Hilfsbedürftigen. Eine
nicht ungefährliche Aufgabe. Wir haben ein flaues Gefühl im
Bauch, als wir erstmals unsere 250er KTM besteigen und uns
auf die Suche machen. Ich war schon oft mit meiner Honda XR
in Afrika und bin nun froh über die Erfahrungen, die ich dabei
sammeln konnte.
Weggeschwemmte
Straßen und staubige Wellblechpisten erfordern fahrerischen
Einsatz. Nur die wichtigsten Straßen sind asphaltiert, doch
die zahlreichen Schlaglöcher verhindern ein höheres Tempo.
Hinzu kommen alte, desolate und überladene Fahrzeuge, die
sich weder an Verkehrsregeln noch an Geschwindigkeitsbegrenzungen
halten.
Größtenteils
sind wir jedoch auf den typischen Pisten unterwegs, wie sie
jeder Afrika-Fahrer kennt: Roter Staub, der überall hinein
kriecht und sich auf die Visiere setzt, abwechselnd hartes
Wellblech und tiefer weicher Sand sowie tiefe Spurrinnen,
in denen man leicht stürzt. Die Autos kommen nur langsam voran.
Unsere Enduros haben es da leichter, aber manchmal sind auch
uns Grenzen gesetzt. Oft sind ganze Straßen weggeschwemmt
und wir müssen weite Umwege in Kauf nehmen, um unser Ziel
zu erreichen.
Abseits
der Hauptstraßen gibt es keine Beschilderung. So halten wir
immer wieder an, um unsere Richtung mit dem Kompass zu kontrollieren.
Die Leute entlang der Straße sind freundlich, doch eine Verständigung
ist kaum möglich. Viele kennen nur ihre Stammessprache. Aber
wo immer wir mit unseren KTM auftauchen, erregen wir großes
Aufsehen.
An
manchen Tagen fahren wir so bis zu 200 km. Mehr ist nicht
möglich, denn die Reichweite unserer Zweitakter ist durch
die Tankfüllung begrenzt. Wir erhalten unseren Sprit mit Flugzeugen
aus Südafrika, an den Tankstellen im Land gibt es auf Grund
der Katastrophe so gut wie kein Benzin.
Freie
Tage gibt’s bei so einem Einsatz nicht. Doch als unser Chef
uns erlaubt, einen Abstecher an den Ozean zu machen, genießen
wir es, mit den Enduros die unendlich langen menschenleeren
Sandstrände entlang zu fahren und vergessen vorübergehend
das tägliche Leid der Katastrophe um uns herum.
Anderntags
suchen wir weiter entlang des Überschwemmungsgebietes nach
Opfern, denen bisher noch nicht geholfen werden konnte. Eine
Herausforderung für Mensch und Maschine: Schmale Wege durch
hohes Gebüsch, schwierige Orientierung und immer der Gedanke,
dass aus den vergangenen Kriegen noch immer mehr als 2 Millionen
Minen im Land verteilt liegen.
Und
wir finden solche hilflosen Menschen: Kranke, halb Verdurstete
oder Verhungerte. Aus den Nachrichten kennt fast jeder diese
Bilder, aber von Angesicht zu Angesicht geht das unter die
Haut. Betroffen und sehr nachdenklich fahren wir jedesmal
zurück ins Camp.
Dort,
mitten im Busch, bereiten wir unsere beiden Enduros für den
nächsten Tag vor und gönnen uns eine kurze Dusche. Nach Verpflegung
aus der Dose, die auch der beste Koch trotz verschiedenster
Variationen nicht schmackhaft machen kann, fallen wir todmüde
ins Feldbett. Doch bevor wir den wunderbaren Sternenhimmel
Afrikas genießen können, ist Vorsicht geboten. Nicht nur einmal
findet einer eine Schlange, eine Vogelspinne oder einen Skorpion
unterm Bett oder zwischen der Ausrüstung. Durch das Hochwasser
vertrieben suchen sie bei uns Unterschlupf. Doch wir haben
einen Schutzengel: In den ganzen sechs Wochen wird nur einer
von einem Skorpion gestochen.
So
verfliegt die Zeit buchstäblich, bis es heißt: Wieder zurück
nach Österreich. Die Geländemotorräder, die eigentlich für
den Einsatz in der österreichischen Bergen konstruiert wurden
und von denen keiner wußte, wie sie sich im tropischen Klima
Afrikas bewähren würden, haben uns nicht ein einziges Mal
im Stich gelassen.
Sie
werden verpackt und auf dem Seeweg zurück transportiert.
Für
mich geht eine Zeit zu Ende, die ich nicht vergessen werde:
Die Gelegenheit, Beruf und Geländefahren als Hobby zu vereinen
und damit Notleidenden zu helfen, ist gewiss keine alltägliche
Kombination - so etwas bleibt haften.
Info
Die
Hochwasserkatastrophe suchte Mosambik im März und April 2000
heim.
Klima
und Reisezeit: Es herrscht
ein tropisch-wechselfeuchtes Klima mit Regenzeit von November
bis März. Die beste Reisezeit ist zwischen April und Oktober.
Dokumente:
Der Reisepass muss mindestens 6 Monate gültig sein, ein Visum
ist notwendig.
Karten
und Reiseführer: Reisekarte
Mosambik von Ravenstein, Maßstab 1:2.000.000; World Aeronautical
Chart, Maßstab 1:1.000.000 sowie die Detailkarten ONC, Maßstab
1:1.000.000, und TPC, Maßstab 1:500.000. Ein deutschsprachiger
Führer ist nicht bekannt.
Straßen
und Treibstoffversorgung:
Nur die Hauptverkehrsstraßen sind asphaltiert, sonst meist
gut präparierte Sandpisten. Es herrscht Linksverkehr. Die
Treibstoffversorgung ist in den Städten gesichert, in den
ländlichen Gebieten nicht immer zuverlässig.
Unterkunft:
In den Städten sind gute, aber teure Hotels vorhanden (700
bis 1000 ATS pro Übernachtung). Entlang der Küste können kleinere
Hütten gemietet werden (150 bis 700 ATS). Zelt und Campingausrüstung
sind empfehlenswert.
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