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Ein Wüstentrip für Einsteiger
Von
Thomas dem Wüstenfuchs
Eigentlich
hatten Gottfried, Sylvia und ich geplant, diesen Sommer eine
gemütliche Motorradtour nach Griechenland zu starten.
Das einzige was mich daran irgendwie störte, war der
lange Weg dahin - mindestens 2000 km. Und als ich so über
der Europakarte über den kürzesten Weg zu Sonne,
Sand und Meer grübelte stach es mir ins Auge - 2000 km
nach Griechenland - aber nur 950 km nach Genua und nach weiteren
24 h Fähre in Tunesien - viel Meer, viel Sonne und vor
allem viel viel Sand unterm Reifen. Und so war der Entschluss
schnell gefasst und tagelanges studieren von Büchern
und Karten begann. Keine Ahnung von Wüste, Sandpisten
und Wellblech. Welcher Reifen ist der Beste? Welche Ausrüstung?
Welche Ersatzteile sollen mit? Und noch viele Fragen mehr...?
Aber keiner mit Erfahrung, der mir die Antworten darauf geben
könnte. Dafür viele tolle Ratschläge, Weisheiten
und Warnungen von "Freunden" die allesamt noch nie
in Afrika waren.
Und
so starten wir mit einem mulmigen Gefühl und doch voller
Erwartungen zu dieser 26 tägigen Tour die insgesamt 5500
km lang sein wird. Von Krems/NÖ nach Lienz/Osttirol,
über Cortina d´Ampezzo Richtung Mailand. Eigentlich
wollen wir die Autobahnen meiden und nur über Bundesstraßen
nach Genua kommen. Doch das erweist sich nach der halben Strecke
als zu zeitaufwendig und so müssen wir den Rest der Strecke
doch auf der Autobahn bewältigen.
Wir
liegen gut in der Zeit als wir den Hafen von Genua erreichen
und uns in der langen Schlange der bereits Wartenden einreihen..
Die Fähre geht nur einmal in der Woche und ist schon
seit Wochen ausgebucht. Doch auch eine gültige Reservierung
verspricht noch lange keinen Platz am Schiff, da es oft zu
Überbuchungen kommt. Wir haben genügend Zeit im
Hafen um all die anderen Wüstenfahren zu bestaunen, die
hier mit uns auf die Fähre warten. Abenteurer aus halb
Europa mit genauso abenteuerlichen Motorrädern und dem
Vorsatz die Wüste unsicher zu machen - bald ist man im
Gespräch und beginnt zu fachsimpeln . Ca 400 Fahrzeuge
passen auf das Schiff und der Platz am Anleger ist schon Stunden
bevor die Fähre kommt voll - keiner will sie verpassen.
Die Stimmung unter den Bikern ist gut und alle sind erleichtert,
als die Motorräder als erstes aufs Schiff dürfen.
Die Maschinen werden von der Besatzung verzurrt und wir stehen
schon bald am Deck um den Kampf der Autos um die letzten freien
Plätze am Schiff mitzuerleben. Ein paar haben es nicht
mehr geschafft und stehen mit fassungslosem oder wütendem
Gesicht am Anleger als Schiff ablegt.
24 h erholsame Stunden am Swimming Pool liegen vor uns - so
dachten wir - bis wir erfahren, das die Einreiseformalitäten
für Tunesien bereits am Schiff zu erledigen sind. Eine
mehrstündige Rätselrallye durchs ganze Schiff um
Formulare für Mann(Frau) und Fahrzeug, um Stempel und
Unterschriften beginnt. Vom Ablaufdatum des Passes bis zur
Fahrgestellnummer des Motorrades - unglaublich wissbegierig
diese Tunesier .....und alles in französisch.
Doch
dafür geht die Einreise dann recht zügig für
uns Motorradfahrer und wir fahren als erste aus dem Hafen
von Tunis. Wir verlassen die Stadt rasch und fahren gleich
weiter in den Süden des Landes. In Afrika ist alles anders
- und das merken wir als erstes im Straßenverkehr. "Wer
bremst verliert" dürfte die einzig gültige
Verkehrsregel in (ganz) Afrika sein.
Bewusst
hatte ich eine Route durch das Land geplant, die (soweit als
möglich) abseits der touristischen Bereiche liegt und
so ist unser erstes Ziel die Oase Gabes. Hier bleiben wir
erst einmal 3 Tage um erstmals Wüstenluft zu schnuppern
und erste Erfahrungen mit Land und Leuten zu machen.
Wir schlagen unser Zelt am örtlichen Campingplatz auf
und kriechen todmüde in die Schlafsäcke um bereits
am nächsten Morgen - um 5 Uhr früh - unsere erste
Erfahrung zu machen. Wir zelteten unmittelbar neben einer
Moschee und der Ruf Allahs (übertragen über mehrere
riesige Lautsprechen, die keine 30 m von uns entfernt waren)
ließ uns in den Schlafsäcken querstehen. Das hatte
zumindest den Vorteil das sich keiner verschlief und wir unsere
erste Tagestour zeitig am morgen starten konnten.
Wir erkunden die Ausläufer des Matmata - Gebirges, besuchen
die Mareth-Linie (Stellungen aus dem 2. Weltkrieg) und stellen
erstaunt fest, dass es auch in Tunesien noch kilometerlange
menschenleere Sandstrände gibt. Wir besuchen Cafes, Restaurants
und lernen die arabische Mentalität beim Handeln auf
den Märkten kennen. Die Leute sind freundlich - manchmal
ein wenig aufdringlich - und immer an unseren Motorrädern
interessiert. Wir werden oft nach unserer Herkunft gefragt
und stellen fest, dass Österreich einen sehr guten Ruf
im Land genießt.
Es
geht weiter nach Matmata, einer Oase im gleichnamigen Gebirge,
dass nördlich des Erg Orientale liegt. Wir beziehen Unterkunft
in einem der berühmten Höhlenhotels, die auch in
den bekannten 3 - Tages Jeeptouren in jedem Hotel angeboten
werden. Hier erkennen wir auch erstmals den Massentourismus
und die Auswirkungen auf Land und Leute. Die Menschen hier
sind uns gegenüber ganz anders als in den kleinen Oasen,
wo sonst kein Europäer hinkommt Kein Wunder, denn die
meisten Touristen benehmen sich wie zu Hause, verachten somit
(unbewusst) die Sitten und Bräuche der hier lebenden
Berber. Hier ist der Tourist nur eine Melkkuh aus der man
soviel Bakschisch als möglich rauspressen will. Wir haben
vor hier 5 Tage zu bleiben und schon am 3. Tag sind die Leute
anders zu uns. Sie sehen keine Touristen mehr in uns, als
wir jeden Tag müde und verstaubt aus der Sahara, dem
"großen gelben Nichts" wie es die Einheimischen
nennen, zurückkommen (wobei ich bis heute überzeugt
bin, das sie nicht verstanden haben, wieso man freiwillig
den ganzen Tag in der heißen, trockenen, staubigen Wüste
rumfahren kann, wo außer Sand und Steinen nichts ist
und stolz drauf ist, sein Motorrad alleine aus den Dünen
auszubuddeln, wo eigentlich kein normaler Tunesier hineinfährt).
Es entwickelt sich rasch ein freundschaftliches Verhältnis
zwischen dem Hotelpersonal und uns und so werden wir spontan
zu einer Berberhochzeit eingeladen. Keine Showtime für
Touristen, sondern ein Fest nach alten Sitten und Bräuchen
der Nomaden. Ein großes buntes Fest mit mehr als hundert
Gästen - wir werden freundlich aufgenommen und bestaunt,
sitzen gemeinsam mit den Berbern im Wüstensand um eine
große Schüssel mit CousCous und Mohntee. (Alkohol
gibt es ja nicht bei den Arabern) - ein beeindruckendes Erlebnis
das ich nie vergessen werde.
Matmata - Ausgangspunkt für unsere ersten Wüstentouren.
Über Schotterpisten durch die Hügel des Matmata-Gebirges
nach Süden, wo wir den ersten Kontakt mit dem Wüstensand
suchen - und auch bald sehr intensiv finden. Die ersten beiden
Tagestouren sind schweißtreibend und zerren an den Nerven.
Hitze, Staub und immer wieder bleiben die Motorräder
im Sand stecken. Rausziehen, weiterfahren und wieder stecken
bleiben - fahren im Wüstensand will gelernt sein - und
wir lernen unsere Lektionen brav.......wir brauchen 5 Stunden
für 120 km durch den Sand.
Wir sind den ganzen Tag in der Wüste, nur selten findet
man entlang der Pisten ein kleines Cafe mit Erfrischungsmöglichkeit.
Doch das stört kaum - schließlich sind wir doch
genau deswegen hier - Geländefahren ohne Ende - ohne
Schranken und Fahrverbotsschilder, die atemberaubende Landschaft
der Berge des Matmata-Gebirges und die Dünen des Grand
Erg Oriental.
Die
Zeit vergeht im Nu und schon geht es weiter. Wir verlassen
Matmata Richtung Westen und überqueren den großen
Salzsee, den Chott el Jerid. Ein beeindruckendes Erlebnis,
aber die Sonne brennt erbarmungslos auf die unendlich erscheinenden
Salzflächen und wir sind froh als wir unser nächstes
Ziel, die Oase Tozeur erreichen.
Hier
finden wir ein sehr einfaches Hotel in dem man uns gleich
zur Begrüßung Haschisch anbietet.
Wir besuchen den Wüstenzoo der auch ein bekanntes Ziel
für Touristen ist. Doch diese werden hier - so wie auch
bei den meisten anderen Sehenswürdigkeiten - im Eilzugstempo
durchgetrieben und es bleibt ihnen keine Zeit die Dinge wirklich
zu betrachten oder gar zu genießen. Ein kleiner Junge
stellt sich zu uns und fragt, ob er uns durch den Zoo führen
darf (gegen ein kleines Trinkgeld natürlich). Wir willigen
ein und sollten eine Zooführung erleben wie nie zuvor.
Es beginnt beim Schlangenkäfig, als der Junge eine nach
der anderen Schlange herausholte und uns unter die Nase hält.
Und als er so ca. 10 von den Dingern in der Hand hielt, hängte
er sie mit um den Hals und meinte die seien ein guter Schal
im Winter. Aber irgendwie konnte ich über seinen Scherz
nicht lachen. Es geht weiter, von Käfig zu Käfig,
bis hin zum Cola trinkenden Kamel, und wir dürfen fast
alle Tiere berühren. Doch der Höhepunkt ist der
Löwenkäfig in dem ein Löwenpärchen in
der Sonne faulenzt. Ob wir es nicht streicheln, wollen meinte
er und zeigt es uns vor. Ich staune nicht schlecht und natürlich
wollen wir (wer hat schon ein Foto mit Löwen um sich).
Trotzdem gehen wir mit sehr großem Respekt und sehr
vorsichtig zu den beiden und jeder ist erleichtert, als er
wieder aus dem Käfig kommt - zumindest weis ich jetzt
was "in der Höhle des Löwen" bedeutet.
Von
Tozeur aus starten wir unsere Erkundungen ins Atlasgebirge,
in die Bergoasen Tamerza und Chebika. Eine kurvenreiche steinige
Piste führt in eine wahre Bilderbuchlandschaft aus Felsen,
Palmen, Wasserfällen. Wir überqueren Pässe
und Furten in den Schluchten, eine erfrischende Abwechslung
nach tagelangem fahren durch Sanddünen
Eine weiter Tagestour führt uns in die Wüste südlich
des Salzsees.
Die
Tage vergehen wie im Flug und langsam müssen wir an den
Rückweg denken. Zurück über den Salzsee und
entlang der Küste Richtung Norden.
Mit jedem Kilometer den wir der Fähre näher kommen
steigt die Erleichterung, dass unser Wüstenabenteuer
gut ausgegangen ist. Doch wie heißt das Sprichwort:
"Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben" oder
wie in unserem Fall "Man soll die Tour nicht vor dem
Ende loben".
Wir sind bereits 60 km vor Tunis, als wir am Rande des Dorfes
Bou Ficha eine Pause einlegen. Wenige Meter von der Straße
entfernt stehen ein paar alte verrostete Wüstentrucks
und während Gottfried eine Zigarette raucht, muss ich
natürlich diese alten Wüstenfahrzeuge begutachten.
Kein Zaun, kein Schild die da besagen "Zutritt verboten".
Und so stehe ich unversehens zwischen den alten Trucks und
Jeeps die ich natürlich auch gleich fotografieren muss.
Zu spät bemerke ich, das ich in militärisches Sperrgebiet
gegangen war und dann geht alles sehr schnell. Aus dem Nichts
stehen Soldaten da und ich spüre einen Gummiknüppel
ziemlich unsanft im Genick. Sie drücken meine Hand in
den Rücken und schieben mich aus dem Areal. Gottfried
und Sylvia schauen ziemlich verdutzt als sie mich so in Begleitung
sehen und plötzlich sind wir alle drei als festgenommen
erklärt. Wir müssen unsere Motorräder mit der
gesamten Ausrüstung stehen lassen und werden in die Kommandantur
der Kaserne gebracht. Ein stundenlanges Verhör beginnt
und der leitende Offizier verlangt unsere gesamte Fotoausrüstung
mit allen Objektiven und allem Zubehör. Da kommt mir
langsam der Verdacht, dass der Typ nicht aus Gründen
der militärischen Sicherheit unsere Fotoausrüstung
sicherstellen will , sondern zur persönlichen Bereicherung
und wir beginnen mit ihm zu diskutieren. Doch wir sitzen (wie
nicht anders zu erwarten) am kürzeren Ast und müssen
zähneknirschend unsere beiden Spiegelreflexkameras abgeben.
Danach werden wir an die Nationalgarde übergeben, die
ein arabisches Protokoll verfasst, welches wir dann auch noch
unterschreiben müssen. Nach mehr als 4 Stunden kommen
wir zu unseren Motorrädern zurück und ich muss feststellen,
das man mir meine teure Sonnenbrille auch noch geklaut hatte.
Niedergeschlagen setzen wir unsere Fahrt nach Tunis fort,
von wo unsere Fähre am nächsten Tag zurück
nach Europa geht.
Doch vorher nehmen wir noch Verbindung mit unserer Botschaft
in Tunis auf, die versucht unsere Kameras zurückzubekommen
- vergeblich.
Und so hält sich unser Abschiedsschmerz von Tunesien
in Grenzen als wir am nächsten Tag die Fähre besteigen.
Wir spucken über die Reeling als das Schiff ablegt und
schwören uns - nie wieder Afrika ......... ohne zu ahnen
wie viel mich mit diesem Kontinent noch verbinden wird.
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Warten
auf die Fähre in Genua
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Ausfahrt
vom Schiff im Hafen von Tunis
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Hauptstraße
in Südtunesien
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Fahrt
durch die Oase Gabes
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Blick
auf Bergoase
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Unterwegs
im Matmatagebirge
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Ein
regelmäßiger Motorradcheck ist wichtig
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Schotterpiste
durch die Wüste
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Durch
die Palmenhaine der Oase Douz
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Zu
Gast bei Nomaden
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Erfrischung
am Bohrloch
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Am
Marktplatz von Douz
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Über
den Chott el Jerid
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In
der Höhle des Löwen
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Unterwegs
in den Schluchten des Atlasgebirges
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