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Eine Ausfahrt im
Mai 2004, dem Jahr, in dem der Regen kam.
So ganz nach Regen sah es eigentlich nicht aus. Zumindest
am Anfang.
Wir trafen uns am Donnerstag Morgen, bei strahlenden Sonnenschein
bei dem gewohnten Treffpunkt. Monika, die es übernommen
hat Begleitfahrzeug zu spielen, bekam erst einmal ihren Kombi
vollgeräumt und wir fuhren guter Dinge los. Ein Tag,
wie er in Motorradjournalen als idealer Tag für die Freiheit
auf 2 Rädern beschrieben wird. Über Pyhra, das unser
Didi somit 3 x am Tag verlassen hat, da er vom Treffpunkt
noch umkehrte um seine Regenkluft zuholen, über die Kalte
Kuchl, die wir bei Sonne passierten, ging es ereignislos bis
zu unserer ersten Kaffeepause nach St. Corona am Wechsel.
Dort kehrten wir in einem netten Gastgarten ein, wo wir lernten,
dass man manchmal wünscht, große Krapfen wären
kleiner. Es ist der Geschmack und nicht die Größe
entscheidend. Nach unserer Pause verloren wir unseren Sepperl,
Monika blieb treu an seiner Seite (Wegweiser müsste man
halt auch lesen, dazu sind sie bekanntlich da!). Alfred musste
einsehen, dass es nichts bringt, wenn seine Frau sein Handy
mit im Auto hat, aber nach Rechnitz war die Gruppe wieder
geschlossen. Weiter ging es bis Riegersburg, wo ein Teil der
Gruppe ganz zwanglos den Parkplatz vor dem Wirtshaus in eine
Umkleidekabine umfunktionierte. Es war wirklich heiß,
und es war eine Wohltat aus der Kluft und den Stiefeln zu
kommen. Einige sind zwar hart im Nehmen, aber jeder nach seinem
Geschmack. Den Führungstermin verschoben wir um eine
Stunde, da wir ja schon zu den Herrschaften gehören,
die sich Zeit beim Essen lassen.
Über das Mittagessen lässt sich nicht viel sagen,
außer, dass die Portionen üppig waren und niemand
hungrig blieb. Den Aufstieg auf die Riegersburg schafften
wir ohne Probleme. Die Burg war ein Bollwerk gegen die Türken,
hat Hexenprozesse überstanden, eine hantige Burgherrin
und ist offensichtlich resistent gegen Touristenströme.
Sie verliert nichts von ihrem Zauber und ihrer Faszination.
Ein Blick über das Land, der unbezahlbar ist, eine interessante
Ausstellung, ein guter Führer, und vor allem hat Reinhard
sofort das versteckte Hufeisen im Brunnen gefunden, das verspricht,
dass derjenige, der es findet, noch vor Ablauf eines Jahres
heiraten wird. Andrea hab ich lieber nicht gefragt, was sie
davon hält, aber vielleicht hat sich dieser Zauber im
Laufe der Jahrhunderte auch schon abgenutzt. Beim Abstieg
gab es noch ein Eis. Whisky und Limette, war schwer in Ordnung.
Es folgt wieder die Umkleidezeremonie am Parkplatz und dann
kamen die letzten Kilometer unter die Räder. In Anger
bezogen wir unser Quartier im Gasthof Thaller. Unsere Motorräder
bekamen sogar einen "Garagenplatz" im Hausdurchgang.
Wenn 9 Motorräder im Hausdurchgang Platz finden, dann
ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass das ganze Haus
ein Abenteuer ist. Es ist empfehlenswert, wenn man sich bei
einem mehrtägigen Urlaub einige Male sehen will, fixe
Treffpunkte auszumachen, oder zumindest das Handy mitzuhaben,
um die Standorte abzuklären. Ein gemeinsames Abendessen
und das war offiziell der erste Tag. Alles andere ist privat.
Dem zweiten Tag begannen wir mit einem gepflegten Frühstück
und dann ab auf die Teichalm. Ebenfalls ein Tag wie aus dem
Bilderbuch. Strassen und Strasserl, von aufblühenden
Rosen im Tal, bis zu blühenden Apfelbäumen auf den
höhergelegenen Wiesen, saftig grüne Wiesen und Rapsfelder,
die am Aufblühen sind. Österreich von seiner schönsten
Seite. Später Vormittagskaffe in Semriach und ab in die
Weststeiermark. Bei Stübing hat Manfred versucht die
Reaktionsfähigkeit der Nachfahrenden zu testen und festgestellt,
sie fahren nicht nur stur hinten nach. Als er in die Einbahn
(verkehrt) einbog, wählten alle anderen den offiziellen
Weg. Die Reaktion der Autofahrer war schon verständnislos
genug bei einem Bike, wie hätten sie bei 9 Bikes reagiert?
Nachdem sich die Beschilderung in der Schöckel-Gegend
nur sinnvoll für Einheimische erwies, und uns die Möglichkeit
eröffnete, Strasserl zu fahren, die man sonst nie finden
würde, kamen wir etwas in Zeitdruck, da der Termin in
der Schokoladefabrik fixiert war, und somit das Mittagessen
ausfallen musste. Ich fuhr den letzten Streckenabschnitt mit
Monika im Begleitfahrzeug mit, und kann nur sagen, Hut ab.
Um einer Gruppe Motorradfahrer so nachzukommen muss man einige
Dinge, wie Geschwindigkeitsbegrenzungen, ignorieren, und allgemein
fahren wie der "Henker". Nur auf der linken Seite
der Verkehrsinsel überholen, wie unser Didi, davor scheut
sie noch zurück. Aber vielleicht ist das auch nicht so
unbedingt empfehlenswert, er hat auch gesagt, das sei eine
Ausnahme gewesen.
Beim Zotter (Schokolademanufaktur) haben wir wieder einmal
bewiesen, dass Biker die Asozialen sind, die sich nicht anpassen
wollen. Aber bitte, warum sollte man sich beim "Running
Schoki" nicht bedienen, wenn die heruntergelassenen Rollos
die Sache erst so spannend machen. Noch dazu haben wir Teamgeist
bewiesen: "Achtung, da kommt Paradeis" und derjenige,
der am Spalt stand, versorgte die Umstehenden mit Proviant.
Dass man Spargel und Hanf in Schokolade geschmackvoll verarbeiten
kann, klingt zwar sonderbar, ist aber jetzt für alle
von uns voll verständlich. Den Eintritt von 5 Euro haben
die meisten von uns als Gegenleistung für die gefutterte
Schokolade gesehen, das ausgefallene Mittagessen hat keinen
mehr gestört. Das einzig störende war, dass wir
sehr abrupt aufbrechen mussten, da der Himmel eine bleifarbene
Tönung aufwies, und gerade in der Richtung, in die wir
fahren mussten. Aber was soll's. Da muss man durch. Auch wenn
kurz nach Stubenberg auf der Straße eine Lacke war,
dass ein Ortsunkundiger annehmen musste, er durchquere den
Stubenbergsee. Gott sei Dank erreichten alle, zwar mit Regenkluft,
aber unfallfrei, unseren Gasthof, wo die meisten von uns,
sich gleich nach dem Herausschälen aus der nassen Montur
im Pool oder in der Sauna trafen. Beim anschließenden
Abendessen wählten an diesem Tag auffallend viele Saures
Rindfleisch, Salatvariationen oder ähnliches. Muss wohl
am Regen gelegen haben.
Über den 3. Tag gibt es nicht viel zu sagen, außer,
dass der Gasthof Thaller über einen Seminarraum verfügt,
der ursprünglich ein Kinosaal war. Die bis zu dem Zeitpunkt
geschossenen Fotos wurden von Alfred über das Laptop
an die Wand geworfen und gebührend von der Runde kommentiert
(man sieht, unsere Biker sind auch nicht mehr die Wilden Hunde
von früher, als es mit Schlafsack und Bier ab ins Grüne
ging). Hotel mit Wellnessbereich, Laptop und Begleitfahrzeug.
Aber auch wir werden älter.
Da es eigentlich den ganzen Tag geregnet hat, fanden sich
nur einige, die dem Schloss und dem Tierpark Herberstein einen
Besuch abstatteten. Fotos genügten denjenigen, die den
Tag mit Wellness und langen Zimmerpausen zwischen den Essenszeiten
verbrachten. Auf Grund der kaninchenbauartigen Bauweise des
Gasthofes, gab es einige, welch die Zeit damit verbrachten,
ihren Partner zu suchen. Na ja, hilft auch die Zeit zu vertreiben.
Eine Masseuse wurde auch organisiert, also was will der Mensch
von einem Urlaubstag mehr.
Thema beim Abendessen: Das Wetter von morgen. Schnee bis auf
1000 m herab, strichweise Sonne. Aber erstens sind wir alle
Optimisten und zweitens, wir müssen nach Hause.
Am Sonntag bei der Abreise war zwar mit Sonne gar nichts,
aber es hat wenigstens nicht geregnet. Bei der Temperatur
wäre ja sowieso die Gefahr bestanden, dass es Eis geregnet
hätte. In Wenigzell wurde der erste Stopp zum Teetrinken
und Aufwärmen eingelegt. Weiter ging es Richtung Semmering,
auf dem ersten höheren Berg glaubten einige Frohnaturen
noch, der Wind bläst die Blütenblätter der
Apfelbäume über die Felder. Schnee war es. Und kalt
war es. Viel mehr gibt es dabei nicht zu sagen. Vor dem Semmering
wurde beim Tankstopp die Regenkluft angelegt und beschlossen,
die Heimfahrt über den Semmering anzutreten und das Gscheid
und den Lahnsattel zu umfahren, da am Rande der Berge das
Wetter ja wohl besser sein wird. Bis zum Höllental blieb
es zumindest trocken, aber dann regnete es und bei der herrschenden
Temperatur war das wahrlich kein Vergnügen. Die Kalte
Kuchl schien den meisten so willkommen wie ein Schutzhaus
bei einer Alpenüberquerung. Tee, Suppe und ein eingeheizter
Kachelofen, wo man die Handschuhe trockenen konnte. Eine gute
Stunde genossen wir es, langsam aufzutauen und trocken zu
sein. Dann zog es stärker zu, die Gruppe geht schon etwas
fatalistisch auf die Motorräder zu um die letzten 50
km zu schaffen. Was soll man auch anders als fatalistisch
sein, wenn es Ende Mai in dicken, fetten Flocken schneit.
Allgemeine Verabschiedung daher schon am Parkplatz der Kalten
Kuchl, ein jeder will nur noch so rasch als möglich heim.
Alles in Allem, eine schöne, abwechslungsreiche Tour.
Sie hat aber auch gezeigt, dass die Gruppe jede Unbill mit
Humor nehmen kann, dass es niemand dabei gibt, der nur raunzt
und grantig wird. Es war nicht so sehr eine Motorrad-Tour,
es war ein verlängertes Wochenende mit Kultur, österreichischer
Wirtshauskultur und Wellness mit Motorradfahren. Wenn es nicht
anders sein soll, dann passt eben auch das und wird von allen
genossen.
In diesem Sinne, bis zum nächsten mal zur nächsten
Ausfahrt.
Elisabeth
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