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STEIERMARK 2003
 
Berge und Kultur
4 Tagestour in der Weststeiermark
29. Mai bis 01. Juni 2003


Bei etwas starken Wind, aber durchaus passablem Wetter trafen wir uns um 07.00 (und das am Feiertag) bei der BB-Tankstelle, von wo es dann durch das Pielachtal Richtung Hieflau ging. Wir, das waren Alfred, Reinhard, Andrea, Werner, Adelheid, Peter, Dietmar, Manfred, Elisabeth, Walter und Gabriele.
Da Morgenstund offensichtlich doch Gold im Mund hatte und sich die Natur frisch gewaschen präsentierte, genossen wir noch den Schlagerboden, der zwar nicht zum Schnellfahren einlud (war ja auch nicht vorgesehen), es aber ermöglichte zu erkennen, dass gerade die Zeit der Margariten und Kuckucksnelken war. Bei St. Anton an der Jeßnitz konnten wir feststellen, dass die Zeiten sich nicht geändert haben. Nach wie vor schlafen Jugendliche um 8.00 morgens nach einem Diskobesuch im Auto ihren Rausch aus. Neu ist vielleicht, dass auch der Parkplatz mittlerweile den Ansprüchen genügt, da es offensichtlich gute Schlafsäcke gibt.

Nach dieser Jugendstudie ging es zügig durch bis nach Eisenerz, wo wir dem Leopoldsteiner See einen Besuch abstatteten. Ganz im Dunst, in allen Grünschattierungen und an alte Sagen erinnernd, fanden wir zwar das gewünschte Gasthaus nicht mehr, denn davon waren nur noch ein paar Holzpflöcke übrig die malerisch im Uferwasser standen. Ein kleines Büffet mit ausgezeichneter Mehlspeise und Kaffee war dann doch vorhanden und entschädigte für den Verlust.
Über Trofaiach sollte es dann weiter gehen nach St. Michael, aber ein Kreisverkehr hatte seine Tücken und ließ uns dann einige Kilometer des schönen Palten- und Liesingtales bewundern. Aber alles im Leben hat seinen Sinn, ohne diese Erkundungstour würden wir bis heute noch nicht wissen, dass manche Radsportler offensichtlich Ammoniak-Junkies sind. Der Anblick eines "gestylten" Radfahrers der mit verzücktem Gesicht Kilometer um Kilometer hinter einem Mistwagen herfährt, hat unseren Horizont über bewusstseinserweiternde Substanzen ebenfalls erweitert.

Bei St. Michael machten wir mit dem zweiten renitenten Kreisverkehr Bekanntschaft. Das heißt, diesmal wurde dieser zu Unrecht verdächtigt, schuld war Werners zu kleiner Tank (böse Zungen behaupten, er wäre noch gar nicht leer gewesen). Aber was soll's. Die Gruppe hat dann wieder brav aufgeschlossen und Werners Tank, oder besser dessen zu geringes Fassungsvermögen, wurde zum Running Gag für 4 Tage. Ohne besondere Vorkommnisse ging es dann weiter bis St. Wolfgang am Obdacher Sattel, wo unsere Pension ohne größere Schwierigkeiten gefunden wurde. Die Zimmer waren in Ordnung, nur der beheizte Pool (in der Tourankündigung hieß es "Pack die Badehose ein!") enttäuschte etwas. Ca. 20 cm Schmelzwasser, von der Sonne gewärmt, entsprach nicht ganz unseren verwöhnten Ansprüchen. Aber der kredenzte Hirschbraten und alles andere, dass geordert werden konnte, war vorzüglich.

Ein Erlebnis der besonderen Art war dann unsere Fahrt mit dem hoteleigenen Kleinbus zum Ausgangspunkt der Wanderung auf den Zirbitzkogel. Eigentlich nicht der Bus, aber der Fahrer. Das kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. Offensichtlich hatte das Fahrzeug verkümmerte Gänge, wie alles in der Evolution verkümmert wahrscheinlich auch die Mechanik, wenn sie nicht gebraucht wird (es wurde meist der erste, selten der zweite Gang gebraucht).
Die Kurventechnik war im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend, jeder hielt die Luft an bis wir wieder sicher auf der Geraden waren.
Landschaftlich und von der Vegetation her kann man sich nicht Schöneres wünschen, als dieses Almengebiet zu dieser Jahreszeit. Vielleicht noch, dass der gerade knospende Almrausch aufgehen würde, das wäre für das nächste Jahr ca. 14 Tage später einzuplanen.
Über den versprochenen Spaziergang gibt es nur soviel zu sagen, dass ich nie eine mittelschwere Wanderung mit unserem Tourleader machen würde. Aber es ist jeder im Zirbitzkogel-Haus auf 2376m Seehöhe angekommen, und nach dem Abstieg hatten wir ja wieder unser Taxi zum Ausrasten mit unserem unvergleichlichem Fahrer (Puls 200). Am Abend war dann bald Bettruhe, der Spaziergang hat ordentlich dazu beigetragen.

Am Freitag, nach einem kräftigen Frühstück, hieß es um 9.00 Uhr "Satteln der Stahlrösser" und 309 Kilometer warteten auf uns. Über Obdach, Weißenkirchen und die Hebalpe ging es nach Deutschlandsberg. Unser Didi beklagte zwar die etwas gemächliche Altherren-Art mit Kurven umzugehen (immer diese wilden Jungen), blieb dann aber doch bei der Gruppe und kurierte seine leichte Grippe mit langsamen, meditativem Fahren aus. Vor der Weinebene trafen wir noch auf einige Kreisverkehrsanlagen. Der Boden dürfte diese Anlagen in großer Zahl hervorbringen, die Kraft, die nötigen Schilder dazuzuentwickeln, fehlt jedoch.
In Bad St. Leonhard wurde am Hauptplatz der Schanigarten einen Restaurants okkupiert, das Essen war vorzüglich, aber bevor der Ruf nach Hängematten zu laut wurde, hieß es "weiter zum Heinrich Harrer Museum in Hüttenberg (Infos unter http://www.huettenberg.at/indexharrer.html).
Das Museum war den Besuch wert, unser Problem war, dass es kurz vor 17.00 Uhr per Lautsprecher hieß, "Wir schließen um 5.00, Danke für Ihren Besuch". Die wirklich interessanten Exponate wurden im Vorbeilauf angeschaut, jeder bedauerte dies. Aber uns blieb ja noch der in eine Felswand gebaute Pilgerweg mit seinen Stiegen, Übergängen und der Hängebrücke. Höhenmeter einmal anders. Wer es genau war, der da unten am Bankerl sitzen blieb, konnte ich von der großen Höhe aus nicht erkennen. Sonderbarer Weise waren nur einige etwas mehr erholt nach dem Museumsbesuch als der Rest der Gruppe. In Judenberg übernahm Alfred als halber Ortsansässiger die Spitze um uns die Abzweigung zur Seetaler Alpe zu zeigen. Es war wieder ein Kreisverkehr im Spiel, wir entschieden uns für die sichere Variante.

Fazit dieses Tages: Wunderschöne Landschaft, gute Strassen, gutes Essen, nette Kameradschaft und ein bisserl Schmäh. Was will man mehr.
Ausgeklungen ist der Tag bei einigen Getränken in der Gaststube unserer Pension.

Am dritten Tag hatten wir uns vorgenommen über Scheifling, St. Lambrecht nach Metnitz, Flatnitz nach Tamsweg zu fahren. Unser erstes Highlight war ein Traktor mit Viehanhänger, auf den wir vor dem Schotterstück (Verbindungsstraße von St. Wolfgang zur Straße von der Seetaler Alpe nach Judenburg) aufgelaufen sind. Alle überholten ihn todesmutig um dann in treuer Gefolgschaft Manfred in die falsch Abbiegung zu folgen. Da wendeten wir dann unsere Stahlrösser unter Mühen um festzustellen, dass der Traktor mitsamt Anhänger quer über den Fahrweg stand und Kühe auslud. Unwahrscheinlich, wie viele Kühe auf so einem kleinem Anhänger Platz haben. Nachdem der erste die 5 Meter Wiese bergauf geschafft hatte, die uns von der richtigen Straße trennte, schaffte jeder (zwar ohne Beifahrerin) die erste Bergwertung im Gelände ohne Punkteverlust.
Der Wettergott war jedoch der Meinung, dass zwei trockene Tage genug sind. Aber das Gewitter, das wir durchgefahren haben, war zwar unangenehm, aber ein gutes Mittagessen in Murau hat dann die restliche Feuchte und Kälte aus unseren Knochen vertrieben.
254 km waren unserer Meinung nach genug für den dritten Tag. Deshalb wurde dann die Diritissima nach Hause gewählt. Das gefürchtete Schotterstück erschien uns dann nur noch als das Wegstück, das uns vom Hotel trennte und wurde problemlos gemeistert.

Am Sonntag wurde die Heimreise angetreten. Auf Grund der Himmelszeichen zog jeder, der sie dabei hatte oder brauchte (es gibt ja auch Goretex), die Regenkluft an. Nach Zeltweg wurde dann am Straßenrand ein Striptease gemacht, da es offensichtlich besser ist eventuell ein paar Spritzer abzubekommen, als einen Tag in der Sauna zu verbringen. Die Tour führte uns über Bruck/Mur und Kapfenberg nach Thörl. Im strahlenden Sonnenschein testeten wir auf der Terrasse eines Kaffeehauses die Qualität des steirischen Kaffees und diverser Mehlspeisen. Bei wechselnder Bewölkung ging es dann über den Seeberg nach Mariazell, wo beschlossen wurde, auf Grund der Witterung doch lieber auf den Abstecher durch die Wildalpen zu verzichten. Aber ein Besuch bei der Wuchtelwirtin in der Walster wurde in Aussicht gestellt, - wenn das Wetter hält. Das Wetter hat gehalten, die Buchteln waren hervorragend, die Tourmitglieder haben noch einmal über zu kleine Tanks, passende Reifen, vergangene Touren und geplante Touren geplaudert und sich verabschiedet, da in St. Aegyd die ersten zum Verwandtenbesuch abbiegen mussten. Eine weise Entscheidung, der Rest bekam nämlich das, was den ganzen Tag gedroht hat. Einen passablen Regen, der bis nach Hause anhielt.

So können wir behaupten, wir hätten alles bekommen, was wir von einem Freiluftsport erwarten dürfen.