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Spanien
 

 

Um die Iberische Halbinsel

Deutschland - Frankreich - Andorra - Spanien - Portugal - Marokko - Gibraltar

Von Thomas dem Wüstenfuchs

Es ist ein schöner Spätsommermorgen, als wir, Sylvia, Werner und ich zu dieser 24 tägigen Tour von 6200 km Länge aufbrechen. Wir fahren über die Westautobahn bis München, wo wir am späten Nachmittag unsere Motorräder am Autoreisezug nach Narbonne verzurren, um nach 18 stündiger Zugfahrt die südfranzösische Stadt zu erreichen.
Von dort starten wir gleich nach der Ankunft zu unserem ersten, 220 km entfernten Ziel - Andorra - ein uns unbekannter 460 km² kleiner Zwergstaat in den Pyrenäen. Nach öden 100 km Autobahn, erreichen wir die Straße Richtung Andorra la Vella, der Hauptstadt des Landes und das Motorradfahren beginnt Spaß zu machen. Die Strasse beginnt kurviger zu werden und wir erklimmen über unzählige Kurven die Berge der Pyrenäen - eine tolle Motorradstrecke an deren höchstem Punkt wir den 2408 m hohen Paß Port d Énvalira überqueren, bis wir Andorra erreichen.
Bereits mehrere Kilometer vor der Grenze beginnt der Stau. Wir sind überrascht, das so viele Leute in dieses kleine Land wollen - wir überholen die schier unendlich lange Autokolonne ohne Probleme - manche Autofahrer machen sogar Platz damit wir schneller vorwärtskommen. Am Grenzübergang werden wir sofort durch gewunken, während jedes Auto gründlich kontrolliert wird. Wir erreichen den Campingplatz in der Hauptstadt und erkunden bald nach unserer Ankunft das Stadtzentrum. Nun verstehen wir auch warum so viele Leute in dieses kleine Land wollen. Andorra ist eine einzige große Duty Free Oase, wo es alles gibt was man zum Leben braucht (oder auch nicht) - zu wirklich günstigen Preisen - und ein tolles Nachtleben dazu. Spontan entschließe ich mich, 2 neue Reifen für das Motorrad zu kaufen - und die kosten inklusive Montage und einem Zusatzservice weniger als 1 Reifen in Österreich.
Am nächsten Morgen regnet es, als wir zu unserer ersten Bergtour starten. Wir verlassen die Hauptstrasse und fahren über Nebenstrassen und Pisten durch eine wunderschöne Berglandschaft. Nach einer (Aufwärm- und) Mittagspause im Dorf El Serrat erklimmen wir unser Tagesziel, die Eishöhle am Port de Rat in einer Höhe von 2542 m. Die landschaftlichen Schönheiten können wir jedoch kaum genießen - es regnet, ist bitterkalt und der Untergrund ist rutschig. Wir sind völlig durchnässt als wir wieder unsere Zelte erreichen.
Am nächsten Morgen das gleiche Wetter - wir wollen eine Tour zum 2250 m hohen Collado de Cabris machen, doch müssen wegen des starken Regen und des Nebels auf halber Strecke umkehren. Am Campingplatz angekommen, müssen wir feststellen, das man uns Bekleidung von der Wäscheleine gestohlen hat - mir fehlen ein Handtuch und 2 Unterhosen!!!
Wir entschließen uns weiterzufahren und nehmen den härtesten Teil unserer Reise in Angriff. In einem Zug von Andorra über Madrid an die Algarve in Portugal - 1400 km auf der Enduro. Wir sind todmüde und haben Sitzfleisch wie Leder als wir nach 2 Tagen Fahrt in Quarteira, einem Urlaubsort an der Südküste der Algarve ankommen. Die nächsten 2 Tage wollen wir von Motorrädern nichts sehen und genießen das Strandleben, das vergleichbar mit dem an der italienischen Adria ist.
Doch dann sitzen wir wieder im "Sattel" und fahren weiter nach Westen - in jene schöne Landschaft die wir von den Fotos her kennen. Über steile steinige Pfade erreichen wir den Berg Foia, der mit 902 m der höchste Punkt der Algarve ist und haben eine wunderschönen Ausblick auf die Steilküsten und fast menschenleere Strände an der Westküste des Landes. Obwohl die Landschaft hier unvergleichlich schöner als im Süden ist, treffen wir nur auf wenige Touristen. Bei der Festung von Sagres erreichen wir den westlichsten Punkt Europas und unserer Reise.
Weiter geht unsere Reise an der Südküste Richtung Spanien und wir passieren Sevilla, das für seine Stierkämpfe bekannt ist. Wir vermeiden es, uns in den großen spanischen Städten länger als notwendig aufzuhalten. Zu oft hatte man uns eindringlich davor gewarnt, den Motorräder sind hier sehr diebstahlsgefährdet. Und das mussten wir auch bald merken, als wir unsere Bikes in einer stark frequentierten Einkaufsstraße parken. Trotz Lenkradsperre, Stahlkette und Scheibenbremsenschlössern hat man versucht, die Motorräder zu stehlen, was glücklicherweise nicht gelungen war. Doch das hat uns noch vorsichtiger gemacht und wir wählen eine Route abseits der Hauptstraßen. Unser nächstes Ziel ist Conil de la Frontera, ein Städtchen mit langen Sandstränden und einer malerischen, gewachsenen Altstadt mit netten Bars und Cafe´s die uns zum Verweilen und Ausspannen einladen. Von dort geht's weiter nach Tarifa, der südlichsten Stadt des Festlandeuropas und zugleich die engste Stelle zwischen Europa und Afrika, wo beide Kontinente durch die nur 14 km breite Straße von Gibraltar getrennt sind. Unser nächstes Lager schlagen wir am Campingplatz von Algeciras auf.
Diese Industriestadt muß man nicht unbedingt gesehen haben und es wird dort viel geklaut. Doch von hier aus geht die Fähre nach Marokko und wir machen einen Tagesausflug - ohne Motorräder - nach Tanger. Ein Trip in den Zauber des Orients, Moscheen und bunte lebendige arabische Märkte - jedoch permanent von aufdringlichen Händlern begleitet, die einem alles mögliche aufschwatzen wollen.
Obwohl wir spätabends zurückkommen, brechen wir am nächsten Morgen früh zu unserem nächsten Tagesausflug nach Gibraltar auf - einem britisch verwalteten Territorium. Es ist 6,5 km² groß und der bis zu 450 m hohe Fels mit den berühmten Affen bildet den markanten Blickfang dieser Halbinsel. Schon die Einreise ist eine Kuriosität. Gleich nach der Grenzkontrolle überquert man die Landebahn des internationalen Flughafen - die bei Bedarf geschlossen wird - um in die Stadt zu kommen. Bobbys, Fish & Chips, rote Telefonzellen - der britische Lebensstil ist unübersehbar. Wir bummeln durch die Stadt, die voller schwarzer Fahnen ist, Blumen und Kränze liegen auf der Straße - 2 Tage zuvor war Lady Di verunglückt.
Unseren nächsten Ruhetag verbringen wir in Marbella - die Stadt der Schönen und Reichen Spaniens - mit baden, Stadtbummel und einem romantischen Abend bei Flamenco -Tanz und Wein.
Von hier aus starten wir ins Landesinnere und besuchen Setenil, ein einzigartiges Dorf, welches in einer engen Schlucht mit überhängenden Felsen, die wie Gewölbe aussehen, liegt. Die Häuser sind so unter diese Felsen gebaut, das sie die Dächer ersetzen. Über dieser ungewöhnlichen, aber beeindruckenden Ortschaft liegt eine schöne gotische Kirche. Von dort geht es weiter in die berühmte Stadt Rondo. Schon ihre Lage auf einem Felsplateau mit atemberaubenden Blick über das weite Land in allen Richtungen macht sie sehenswert. Zusätzlich beeindruckt die fast 100 m tiefe Schlucht, die die malerische Altstadt in zwei Teile trennt. Rondo ist auch für seine Stierkämpfe bekannt und wir überlegen uns einen anzusehen - doch als wir die Eintrittspreise erfahren ist die Entscheidung schnell gefallen - über 110 Euro .. für die "billigen Reihen".
Und weiter geht's zum nächsten Ziel unserer Tour. Einem Ziel, auf das ich mich schon lange gefreut hatte und das ein Traum vieler Endurofahrer ist - die Sierra Nevada.
Wir schlagen unsere Zelte für die nächsten 5 Tage am Strand von Charchuna auf - und los geht's in die La Alpujarra granadina - dem westlichen Teil der Sierra Nevada. Unzählige Schotterstrassen führen durch diese von tiefen Tälern durchschnittene und sehr ursprüngliche Gebirgslandschaft. Der tiefer gelegene Teil der Nevada ist fruchtbar, Rotweingärten, Zitronen- und Orangenplantagen prägen das Bild, darüber erstrecken sich ausgedehnte Wiesen und Laubwälder. Erst wenn man höher kommt ändert sich das Landschaftsbild durch karge moosbewachsene Almwiesen und Felsen. Man braucht keine Karte um ein Ziel zu finden, wir fahren hier um das Fahren zu genießen, wir fahren wie es Spaß macht und wo es uns gefällt.
Die schönste Tour soll uns auf den Berg Mulhacen, den mit 3392 m höchsten befahrbaren Punkt, bringen. Wir starten vom Meeresstrand um in einem Zug auf der ca 40 km langen Strecke und einem Höhenunterschied von fast 3400m den Gipfel zu erreichen. Doch knapp vorm Ziel ist leider Schluß. Auf 3200m versperrt ein Schranken den Weg - der allein noch kein Problem wäre - wenn da nicht ein grimmig dreinschauender Wächter daneben säße.
Wir verabschieden uns schweren Herzens von dieser wunderschönen Gegend, doch langsam wird es Zeit weiterzureisen.
Wir fahren entlang der Küste zurück, bis wir die Costa Brava erreichen, um hier die letzten Tage auszuspannen. Baden, Rioja, Flamenco... noch einmal genießen wir die spanische Lebensweise bevor wir den Reisezug in Narbonne besteigen und die Heimreise antreten.