H o t b i k e
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Istrien 2001
 

HSV - HERBSTENDURO FRIAUL oder doch nicht ?????

SONNTAG:
2.30 Uhr Wir verladen in Wilhelmsburg Franzis KTM in den Transporter und starten Richtung FRIAUL. Trotz der miesen Wettervorhersage sind wir guter Dinge, denn im Murtal lacht die Sonne. Als wir uns dem GAILTAL nähern, werden wir jedoch des Besseren belehrt, die Temperatur sinkt auf 7 Grad und dichte Regenwolken ziehen auf. Die Berge hüllen sich in Nebel und über 1200 Meter schneit es. Kurzfristig beschließen wir, unseren Endurotrip an die ADRIA zu verlegen.
Gegen 15 Uhr erreichen wir MOSCENICKA DRAGA, wo die Sonne vom Himmel lacht und das Thermometer 20 Grad zeigt und die Stimmung merklich steigt.

MONTAG:
8.00 Uhr voller Tatendrang raus aus den Federn, Rollbalken auf und der große "Dämpfer": Es schüttet wie aus Kübeln bei 8 Grad. Nach 3 Stunden Kaffeehaus und einigen Kosenamen für das Wetter, die ich nicht näher erläutern möchte, geht der Regen in leichtes Nieseln über und wir beschließen zum 1. Trip aufzubrechen.
Ein paar Kilometer Asphalt bis MOSCENICKA und dann über groben Schotter auf den BRGUD, weiter über eine Hochebene auf den MALA UCKA und die asphaltierte Pass-Straße des UCKA zur Küste ins Quartier.
Die Rotweinrechnung abends entspricht dem Wetter.

DIENSTAG:
Sonne - "Jubel" - Frühstück, Tanken und los. Bei VEPRENICA steigen wir in den Wald ein, 12 Kilometer Schotter vom Feinsten, null Verkehr, Wassernasen und immer leicht bergauf - ein Genuss. Eine kurze Asphaltetappe und danach der nächste Einstieg in einen Wanderweg auf den ORLJAK, auf dem wir so richtig ins Schwitzen kommen.
Wieder im Tal angelangt, entziffern wir am Dorfbrunnen eine alte Wandermarkierung, die den Weg nach BUZET weist. Kurze Beratschlagung. "No des Probiern ma" links am Misthaufen vorbei, rechts die Schafweide - und der anfängliche Feldweg hat plötzlich Handtuchformat. Ständig bergauf, über lose Steine, diverse Steinstufen und durch Dornen arbeiten wir uns auf den Gipfel vor. Oben angekommen wird unser Standpunkt mittels Kompasskreuzpeilung und GPS überprüft, ein Wegpunkt gesetzt, und ab geht's durch dichten Laubwald ins Tal.
Über eine kleine Nebenstraße erreichen wir KOTLI, wo eine alte aus Karststein gebaute Mühle am Fuße einer wunderschönen Schlucht steht. Nach einer Pause in der örtlichen Gastwirtschaft, beschließen wir den nächsten Wanderweg zu probieren. Dieses Abenteuer endet aber an einer Furth, die aufgrund der Regenfälle eine Wassertiefe erreicht hat, die eine Durchquerung unmöglich macht. Also wieder retour, nach HUM und über kleine Asphalt- und Schotterstraßen erreichen wir schließlich die Rückseite des BRGUD. Diese Auffahrt ist uns beiden aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung. Steil windet sich diese Caterpiller-Straße in unzähligen engen Kehren, gespickt mit ballgroßen Steinen und karstigen Felsbrocken von 80 auf gut 1000 Höhenmeter. Oben angekommen stimmen wir erstmals Lobgesänge auf die Spurtreue und Leistungscharakteristik unserer LC 4 an. Die Abfahrt nach MOSCENICKA ist danach nur Formsache.

MITTWOCH:
Erholung ist angesagt. Wir folgen der Küstenstraße bis LABIN. Von LABIN aus fahren wir eine Miniaturstraße bis zum Südzipfel und danach über eine kleine Bergstraße auf den höchsten Punkt der Halbinsel wo wir von einem mächtigen Gewitter überrascht werden. Blitze zucken ringsherum und in strömendem Regen erreichen wir kurz vor LABIN ein kleines Kaffeehaus. Der Regen hört auf, einhelliger Tenor: 100 Kilometer und fast kein Schotter - "so gehts ned". Also Karte raus - ah - ein kleiner Flusslauf vom Meer ins Landesinnere "schaut guat aus, des probier ma". Der Einstieg ist bald gefunden und über eine Schotterstraße geht es entlang von Pferdekoppeln und Schafweiden den Fluss entlang. Nach einigen Kilometern kommen wir zu einer kleinen Brücke, über die wir ans andere Ufer wechseln. Durch Auwälder, Wiesen und Schlammlöcher glühen wir rund 15 Kilometer immer am Fluss entlang bis wir wieder eine Nebenstraße erreichen. Kurze Standortüberprüfung, Wegpunkt gesetzt, und ab Richtung MOSCENICKA. Jedoch mit einer kleinen Überraschung. Durch die Neutrassierung der Bundesstraße wurde die kleine Straße, auf der wir fahren einfach stillgelegt, ohne sie jedoch zu sperren. "Schen zum foahrn, ka Verkehr" bis wir zu einem Bahnübergang kommen. Zwischen Asphalt und Geleisen sind die Holzschwellen entfernt und es klafft ein Loch. Außerdem sind die Schienen auf KTM Radstand normiert. Zum Glück sieht auch die Bahnlinie ziemlich aufgelassen aus und so zerren wir die KATIS über den Gleiskörper, um nach zirka 1 Kilometer an der Leitschiene der neuen Bundesstraße anzustehen. "Sch....." - ab ins Gemüse, Loch suchen und nach Hause.

DONNERSTAG:
Eine Besichtigung der Bergwelt hinter RIJEKA steht an. Nach mühsamer Anfahrt durch Industriedörfer und entsprechendem Verkehr erreichen wir endlich den Einstieg in eine Schotterstraße, die entlang der slowenischen Grenze in die Berge führt. In rallyemäßigen Tempo schrauben wir den Berg hoch - "afoch geil" - bis einige schwer beladene Holzlaster sich im Schneckentempo talwärts wälzen. In gemäßigtem Tempo erreichen wir dann eine Hochebene, auf der wir zirka 16 Kilometer zwischen aufgelassenen Bergwerken und alten Festungsanlagen schließlich eine Berghütte erreichen. Vor der Tür einige Geländeautos und grün gewandete Waidmänner. "Ups - schena Schaß, Küss de Hand Herr Jägermeister, heute schon gemordet?"
Nach skeptischen Blicken beiderseits grüßen wir freundlich und fragen nach der Straße ins Tal, da es an diesen Punkt mehrere Möglichkeiten gibt, die allesamt nicht in der Karte verzeichnet sind. Unser Gruß wird ebenso freundlich erwidert. Zu unserer Überraschung bittet man uns zum Kaffee ins Jagdhaus. Der 87-jährige Förster und Besitzer des Jagdhauses zeichnet uns mit dem Bleistift den Verlauf der Forststraße in die Landkarte ein - mit einer Genauigkeit, die die Kursaufzeichnung des GPS fast exakt deckt.
Nach mehreren Fotos, großem Händeschütteln und dem Versprechen mal wieder vorbeizukommen, verlassen wir den Wald talwärts. Einige Kilometer folgen wir der Autostraße Richtung ZAGREB, um erneut in ein kleines Seitental abzubiegen. Vorbei an wild kläffenden Dorfkötern schrauben wir die inzwischen geschotterte Straße hoch in einen schier undurchdringlichen Mischwald.
Kurze Pause: Kursaufzeichnung des GPS mit der Karte überprüfen: deckungsgleich "super - weiter geht´s". Der Wald wird immer dichter und mystischer. Kein Mensch ist uns seit längerem begegnet, Gedanken an Bären und Wölfe schießen uns durch den Kopf und plötzlich - "Sch... die Straße is verschütt". Unsere Hoffnung, die KATIS über die Steinmure zu tragen oder sie zu umfahren, platzt wie eine Seifenblase. Kurze Diskussion, Straße retour "do wor a Straßl links aussi". Kreuzung erreicht, GPS auf CIRKVENICA programmiert, Navigationsdisplay aufgerufen und los geht's. Permanent wird der Kurszeiger überprüft, die Richtung stimmt. Die Kursabweichung ist minimal also weiter. Als es bereits nach gut 10 Kilometern leicht bergab geht, sind wir ziemlich sicher an der Küste herauszukommen "Sch... net scho wieder". Urplötzlich endet auch diese Forststraße mitten im Wald. Wieder: Kehrt Marsch, alles retour bis ins Tal.
An einem kleinen Stausee nehmen wir Kaffee und Gerstensaft zu uns und kommen einhellig zu der Entscheidung, aufgrund der fortgeschrittenen Stunde über Nebenstraßen Richtung RIJEKA zu fahren. Als Krönung des Tages, schaffen wir es noch mitten ins Stadtzentrum zu kommen und das zur Rushhour. Den Rest zu schildern ist wohl müßig. Trotz allem war dieser Tag - vom Enduro-Erlebnis her - der Tollste.

FREITAG:
Der letzte Mopedtag " heut mach ma an auf gmiadlich ". Nach gründlicher Besichtigung der Bergdörfer, hinter LOVRAN glühen wir den UCKAPASS hoch und das bei trockener Straße -" Ups des war a Spaß ". Auf halber Strecke biegen wir auf eine 21 Kilometer lange Schotterstraße nach RACNJA VAS ab. Das anfänglich forcierte Tempo wird rasch durch entgegenkommende Holzlaster gebremst. " Oida heut muaß i mi a nimma auslöschn ". Von RACNJA VAS aus folgen wir einer Nebenstraße bis in ein kleines Bergdorf, um von dort aus wieder einer Schotterstraße Richtung UCKA zu folgen. Aber es kam wieder einmal anders. "He schau, Stoppel - Spuren. De san aber net von uns. Was tuan ma? No schau ma von wo´s herkumman!". Also links den Feldweg rein und immer den Spuren nach. An einer Megalache wird der Weg wieder handtuchbreit und windet sich über loses Gestein bergauf, um anschließend gut 2 Kilometer lang ziemlich kernig bergab zu führen und in einem kleinen Dorf neben Misthaufen und Stall wieder auf Asphalt zu treffen. Einhellige Meinung "2-Takt - Gelände pur".
Einige Kilometer Asphalt und wir erreichen die Auffahrt zum UCKA an der Nordseite. Just in diesem Moment öffnet der Himmel seine Schleusen und aus der Supermoto - Partie wird eine Rutsch - Partie. Am kleinen Kaffee auf halben Weg zum Pass treffen wir dann die Verursacher der anderen Reifenspuren.
Eine Abordnung des ENDUROCLUBS - RACHAU, alle mit Hardcore - Gerätschaft. Nach kurzem Fachsimpeln verlassen wir die Gaststätte Richtung MALA UCKA, um ein letztes Mal auf Schotter nach MOSCENICKA zu fahren.
Abends beim Essen in einen vorzüglichen Fischrestaurant ziehen wir Resümee und kommen zu dem Entschluss: "Mir kumman wieder und nächstes Mal nehma 2 - Takter a mit"
KROATIEN VON ZART BIS HART - EINFACH GEIL !!!!!

FRANZ + TOM

PS:
Bewährt haben sich
Die KATIS, GPS, ALUMOTORSCHUTZ, grobe ENDUROREIFEN ( Pirelli MT 21 etc. Fredi OBERLEITNER weiß Rat). TANKREICHWEITEN um die 200 Kilometer, etwas KONDITION, und gute LAUNE. KARTE: ISTRA 1:100 000 von FREYTAG + BERNDT

Abzuraten ist:
Von 2-ZYL ENDUROS bei unzureichender Erfahrung auf losen Untergrund, permanenten NÖRGLERN und BESSERWISSERN, Stadtdurchfahrten von RIJEKA, Verlassen der Wege am UCKA und im TRIGLAVGEBIET (beides NATIONALPARKS, die auch von der POLIZEI kontrolliert werden).

Geführte Touren mit einheimischem GUIDE von ENDUROWANDERN bis HARDCORE für Gruppen ab 5 Personen werden veranstaltet von:

MOTO CLUB RACHAU
Kontakt: JÖRG MICHL
tel.03577 / 25070
e-mail: jmichl@netway.at

oder in SELCE

www.kroatien-aktiv.com
mit Unterkunft und Programm für Nichtfahrer oder Familie ebenso für Straßenfahrer