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REISEN
 
Island 2003 von Peter

Ein lange gehegter Wunsch wurde im Juli 2003 endlich wahr.
Nach langen Vorbereitungen, die meiste Zeit ging mit Stöbern in diversen Reiseberichten und dem Bau der Aluboxen drauf, ging es am 19. Juli zu Mittag los. Die erste Etappe führte uns bis München, wo der Autoreisezug darauf wartete uns nach Hamburg zu bringen. Nach dem Einchecken hieß es wie immer warten. Wir vertrieben uns die Zeit im Cafe und mit Gesprächen mit anderen Motorradfahrern. Es war einer der heißesten Tage des Jahres und so traf uns gleich beim Betreten des Zuges mal der Schlag. Er hatte den ganzen Tag in der Sonne gestanden und keine Klimaanlage.
Am nächsten Morgen, nach ein paar Stunden des Dahindösens, Ankunft in Hamburg. Vor uns lag die eintönige Autobahn durch Norddeutschland und Dänemark. Alle 100 km Rasten und alle 200 km Tanken, das war's. Es gibt nichts Öderes als flaches Land. Nach einer Tankpause sprang plötzlich die Antriebskette von Harrys Zahnkranz. Zuerst einmal Ratlosigkeit, danach langsam einsetzende Panik, weil wir noch 100 km nach Hirsthals vor uns und gerade mal 2 Stunden Zeit dafür hatten. Was tun? Die Kette war plötzlich so lang, dass sie nicht mehr zu spannen war. Ihr könnt jetzt sagen, schlecht vorbereitet! Aber dem war nicht so. Das Motorrad wurde extra für den Urlaub gekauft und hatte nur wenige km auf dem Buckel. Auch die Kette machte damals einen guten Eindruck. So viel zum Kauf eines gebrauchten Motorrades bei einem Wiener Honda-Händler. Mein Improvisationstalent half uns noch die restliche Strecke zurückzulegen. In Kristiansand angekommen suchten wir noch in der Nacht eine Motorradwerkstätte und danach ein Hotel. Wir hatten aber nicht bedacht, dass in den nördlichen Ländern kein Geschäft vor 10.00 Uhr morgens öffnet. Also Aufbruch Richtung Bergen nach einem kurzen Frühstück in der Hoffnung unterwegs eine neue Kette aufzutreiben.
Unsere Erwartung wurde enttäuscht, es war keine geeignet Kette zu bekommen. Das Wetter hatte an diesem Tag alle Register gezogen, vom leichten Schneefall über starken Regen bis Sonnenschein war alles dabei. Am Abend mieteten wir uns zum Aufwärmen ein Blockhaus.
Am nächsten Tag wurde es ziemlich eng, da wir die Fähre über den Haardangerfjord verpasst hatten und dann 1 ½ Stunden auf die nächste warten mussten. So hieß es also Gas geben. In Bergen angekommen suchten wir den Pier, an dem unser Schiff lag.
Es kam wie es kommen musste, ein nicht enden wollender Wolkenbruch machte uns das Warten zur Hölle. Der Lademeister unseres Schiffes hatte dann doch Erbarmen und wir durften im Schiffsbauch im Trockenen warten. Nebenbei zeigte er uns noch seinen Arbeitsplatz und spendierte heißen Kaffee. Als "Dank" dafür entdeckte ich noch so nebenbei einen blinden Passagier (ein Albaner, der nach Amerika wollte). Jetzt war natürlich die Hölle los und wir mussten noch länger warten.
Die Überfahrt nach Island war sehr angenehm und ruhig. Island empfing uns in dickem Nebel, der auf der Fjardarheidi nur Schritttempo zuließ. Das waren ja schöne Aussichten. In Egilstadir wurde erst mal getankt und isländische Luft geschnuppert. Unser Entschluss in den Norden der Insel zu fahren war, wie sich herausstellte, nicht der Richtige, denn in Bakkagerdi gab es ebenfalls nur Regen und Nebel.
Also schnell die Stollenreifen aufgezogen und am nächsten Tag Abfahrt Richtung Snaefell. Am Weg dorthin besuchten wir noch den Hengifoss mit seinen Basaltsäulen. Bis dahin waren die Strassen noch überraschend gut, aber schon kurz danach, auf der F910 ging es los, und wir lernten die isländischen Straßenbaumethoden kennen. Die aufgegrabene Strasse wurde einfach mit 50 cm Lavasand aufgeschüttet. Dass hier mit einer vollbepackten Maschine kein wirkliches Weiterkommen war, ist wohl jedem klar. Nachdem wir das überstanden hatten, kam die nächste Überraschung - Benzinmangel. Ich hatte die Tour nach den in der Landkarte eingezeichneten Tankstellen zusammengestellt. Aber Zapfsäulen, die sich nicht rentieren, werden geschlossen. So kam es, dass ich meine Maschine "tragen" musste. Da dies viel Zeit in Anspruch nahm, es waren über 200 km, wurde erst um Mitternacht gekocht. Und als um 2.00 Uhr früh die Einheimischen Golf spielen gingen (es war noch taghell) wussten wir, dass der Polarkreis nicht mehr weit entfernt sein konnte. Die nächsten Tage quartierten wir uns auf dem Campingplatz in Lundur ein und erkundeten die Halbinsel Melrakkasletta und die Öxarfjardarheidi.
Da wir noch immer keine neue Kette für Harry hatten, beschlossen wir in die zweitgrößte Stadt Islands, nach AKUREYRI zu fahren. Der Weg führte uns entlang des MYVATN-Sees nach Laugar und vorbei am Godafoss mit einem Abkürzer über die VADLAHEIDI.
Kurz gesagt, wir bekamen unsere neue Kette. Harry freute sich wie ein kleines Kind und spendierte uns für diese Nacht eine Blockhütte. Am nächsten Tag stand uns das eigentliche Abenteuer, die Hochlanddurchquerung über die SPRENGISANDUR-Piste bevor. Auf Grund starker Regenfälle am Vortag war die Auffahrt zur Piste ziemlich schwierig und größtenteils unter Wasser. Doch, dann endlich "oben" angekommen, ein Anblick wie im Märchen. Soweit das Auge reichte nur nasse, schwarze Lava. Als nächstes erreichten wir LAUGAFJELL, eine Hütte mit Unterkunftsmöglichkeit und einer heißen Quelle zum Baden. Ab hier begannen die richtigen Furten, bei denen man nie wusste wie tief sie sind. Ziemlich durchnässt von den vielen Flüssen bezogen wir Quartier im NYIDALUR. Einige ganz Harte campierten vor der Hütte.

Am nächsten Morgen nahmen wir den zweiten Teil der SPRENGISANDUR-Piste in Angriff und je weiter südlich wir kamen, umso heftiger wurde der Wind. An diesem Tag schlugen wir in der Nähe des GULLFOSS Wasserfalles in einer kleinen Ortschaft das Zelt auf. Tags darauf besichtigten wir den GEYSIR und den GULLFOSS um danach einen Teil der KJÖLLUR-Piste in Angriff zu nehmen. Da die Strecke bislang ziemlich leicht war, beschlossen wir den Rückweg über eine echte Enduropiste zu wagen. Es ging überraschender Weise relativ gut voran bis, ja bis es ca. 10 km vor dem Ziel aus war. Hier teilte sich die Piste, auf der einen Seite in eine tiefe Schlammpassage durch einen Bach, auf der anderen Seite versperrte ein reißender Fluss den Weg. Da Beides für unsere Maschinen nicht zu schaffen war, mussten wir wieder zurück. Und hier lernte ich den Islandsommer mit seinen taghellen Nächten schätzen. Es war schon Abend als wir umkehren mussten und 60 km Hardcore-Piste standen uns noch bevor. Dazu noch die KJÖLLUR-Piste (ca. 110 km) zu unserem Lagerplatz. Um ca. 23.00 Uhr machte ich mich daran noch schnell etwas zu kochen. Harry war von der Anstrengung mehr als fertig und wollte in Zukunft nur noch auf Asphaltstraßen fahren.
Der nächste Tag führte uns in den Süden zum SELJALANDSFOSS, einem wunderschönen Wasserfall, und dann weiter nach KIRKJUBAEJARKLAUSTUR, wo wir Quartier bezogen. Durch den Tipp eines Einheimischen fanden wir eine traumhaften Schlucht, die nicht auf der Landkarte verzeichnet war. Weiter ging's zur LAKI-Spalte, doch schon die erste Furt hielt uns von unserem Vorhaben ab. Zwei KTM-Fahrer meisterten die Passage nur unter größten Schwierigkeiten - sicherheitshalber mit Seilsicherung. Abends trafen wir die Beiden wieder. Sie waren bis auf die Haut nass und ihren Schilderungen nach waren die weiteren Furten noch schlimmer.
Einer der Highlights der Reise war der JÖKUSARLON, ein Gletschersee am Rande des VATNAJÖKULL. Fast der gesamte See ist mit kleineren und größeren Eisbergen bedeckt. Der Anblick ist gigantisch. Da uns nur mehr wenige Tage verblieben, fuhren wir weiter Richtung Ostküste zu den Fjorden. Auf Anraten einer feschen Isländerin in DJUPIVOGUR fuhren wir nach EYJOLFSSTADIR und übernachteten das erste Mal auf einer Farm. Dort erfuhren wir auch, dass wir uns im Tal der Wasserfälle befanden. Wir erhielten die Erlaubnis, das Tal mit unseren Motorrädern zu erkunden, obwohl es Privatbesitz ist. Das Ergebnis der Besichtigung: 30 km extreme Endurofahrerei, an die 20 Wasserfälle sowie ein See, einfach traumhaft.Am letzten Tag quartierten wir uns in einer Schule ein, einem sogenannten Sommerhotel. Am Abend besuchten wir noch die Shoppingmeile von EGILSTADIR.

Wir verließen Island so wie wir die Insel zwei Wochen zuvor antrafen, im Nebel. Während der Überfahrt hatten wir wieder ruhiges Wetter, aber schlechte Sicht. So verbrachten wir die meiste Zeit in den diversen Lokalen bzw. mit Schlafen. In Dänemark angekommen empfing uns wieder die Festlandhitze, die anscheinend kein Ende nehmen wollte. Um nach Hamburg zu unserem Reisezug zu kommen hatten wir 2 Tage Zeit. So fuhren wir diesmal nicht über die Autobahn, sondern über Landstrassen.
In Hamburg machten wir eine Stadtbesichtigung. Wir kamen dabei auch in den Genuss eines Rockkonzerts beim Hamburger Rathaus. Im Laufe der folgenden Nacht brachte uns der Zug nach München. Über Wasserburg und Freilassing fuhren wir in der sengenden Hitze nach St. Pölten und Harry weiter nach Wien.
Resümee der Reise:
Sie war viel zu kurz, ich muss noch mal nach Island. Die gewählte An- und Abreise war ideal, weil dadurch einige Tage Zeit gespart wurden. Da ich auch meine Frau in den Genuss dieser Reise kommen lassen will, muss ich mir wohl oder übel einen Geländewagen zulegen. Eine Maschine wird aber mit müssen.

Hier findest du alle
Islandbilder
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