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Ein altes Sprichwort sagt „Wenn einer eine Reise tut, dann kann
er was erzählen“. Aber was ist, wenn 16 eine Reise tun? Dann
gibt es viiiieeeel zu erzählen.
Nun,
ich habe euch viel zu erzählen, denn
am Freitag, 4,7.1997, war es endlich so weit. Um 21.00 Uhr
war Treffpunkt zu unserer großen Clubausfahrt. Wie gierig
alle darauf waren, konnte man daran sehen, dass die Meisten
schon eine halbe Stunde vorher da waren. Als wir dann abfuhren,
goß es in Strömen. Kurz entschlossen nahmen wir daher den
Weg über die Autobahn nach Linz.
Am
nächsten Tag: Der erste Blick aus dem Fenster des Zuges war
deprimierend: Regen. Schon bald nach der Abfahrt verflog die
gute Stimmung. Ritter Franz brauchte dringend Gummistiefel
und -handschuhe. Die Sachen mussten anscheinend erst
maßgeschneidert werden, denn der Aufenthalt im Lagerhaus (zum
Glück war’s kein Raiffeisenlagerhaus, sonst hätte die Sache
noch länger gedauert) währte über eine Stunde.
Die
nächste Etappe schafften wir bis zum Klausenpass. Und nachdem
wir alle bis auf die Haut nass waren, tat eine Pause gut.
Ein Teil der Gruppe war ob des Wetters ziemlich verzweifelt
und wollte schon hier übernachten. Es gab aber keine Zimmer,
und so ging es weiter. Am Sustenpass empfing uns dann dichtester
Schneefall. Zum Glück hatte Franz seinen berühmten HUDSON
BAY mit. Als dann Mikes Maschine den Geist aufgab (sie war
wie ich es verlangt hatte, hervorragend gewartet) und sie
in die Werkstatt geschleppt werden musste, war jeder froh,
nicht mehr weiterfahren zu müssen. Das anschließende gute
Abendessen und der freundliche Wirt (er ließ uns die nassen
Sachen in den Wäschetrockner stopfen) brachten auch die völlig
Verzweifelten wieder in Stimmung.
Der
nächste Morgen begann, wie soll es anders sein, mit Regen.
Wir waren aber alle voller Zuversicht, denn schlimmer als
gestern konnte es nicht mehr werden. Es gab mir nur eines
zu denken: Wir hatten schon ca. 300 km Rückstand. Als in der
französischen Schweiz mittags plötzlich ein Fleckchen blauer
Himmel zu sehen war, machte unser Toni vor lauter Freude einen
Wheely. Nach einer herrlichen Kurvenhatz über den großen St. Bernhard
erreichten wir endlich das Aostatal und - man glaubt es kaum
- es schien die Sonne bei gut 25°.
Die
Besichtigung des Mont Blanc musste aus Zeitmangel entfallen,
dafür ging es gleich weiter über die nächsten Pässe (Kleiner
St. Bernhard, Col d’Iseran). Das Etappenziel war Valloire.
Wir hatten das erste Mal unsere Schwierigkeiten mit der französischen
Sprache. Zum Glück konnte die fesche Kellnerin im Stringtanga
auch noch neben anderen Sprachen Englisch. Es herrschte allgemein
eine gute Stimmung, und so zog es einige nächtens in die Dorfdisco,
statt ins Ruhebett. Der Endeffekt war, dass Mike (dieser Name
wird euch noch öfter unterkommen) und Hubert nicht aus den
Federn kamen.
Daher
am nächsten Tag erst nach 10.00 Abfahrt. Das allerdings bei
wundervollstem Wetter. Es folgten die herrlichsten Pässe (Col de Galibier, Col de Lautaret, Col d’Izoard,
Col de Vars). Am Col de Restefonds kam Ritter Franz
ohne Kupplung an. Eine schnelle Reparatur durch den Roadcaptain
- schon konnte es wieder weitergehen. Schließlich wollten
wir heute unbedingt noch den Campingplatz am Grand Canyon
du Verdun erreichen. Als etwa 100 km weiter der Gepäckträger
von Manfred den Geist aufgab, begann ich leicht zu verzweifeln.
Nach der notdürftigen Reparatur (mit Draht, den wir einem
Baum „weggenommen“ haben) kamen wir in eine traumhafte Schlucht
(Gorges Superieures du Cians). Sie besteht nur aus rotem Gestein
und ist ca. 14 km lang. Das Beste erwartete uns aber am Ausgang
der Schlucht: Tausende Schafe, so weit das Auge reichte: Schafe,
Gestank und die Straße total verschissen.
Nachdem
wir in der Nähe von Castellane für diesen Tag das letzte Mal
getankt hatten (was den Tankwart ziemlich fertig machte, denn
er hatte wahrscheinlich noch nie so eine Horde zu betanken,
die einfiel wie ein Bienenschwarm auf eine Futterwiese) erreichten
wir in der untergehenden Sonne den Campingplatz am Grand Canyon
du Verdun. Nun hieß es das erste Mal die Zelte aufzustellen.
Das war für einige gar nicht so einfach.
Nach
einem guten Frühstück im Stehen (10 Baguette, mind. 1,5 kg
Schinken usw.) gingen wir daran, den Canyon zu besichtigen.
Für unseren Oberfilmer Bernhard mußten wir eine langgezogene
Kurve ein zweites Mal fahren. Bei der Ausfahrt aus der Schlucht
habe ich die falsche Richtung eingeschlagen (kann schon mal
passieren). Das störte aber niemanden, da wir auf einer traumhaften
kurvigen Straße der Küste zufuhren. Was dann kam, war nicht
mehr so lustig. Die Ortsdurchfahrt der Küstenorte St. Raphael,
Cannes usw. waren wegen des vielen Verkehrs ziemlich zermürbend,
und die nervenden Meldungen von Mario „Warum fahren wir nicht
auf der Autobahn?“ trugen das Übrige dazu bei. Ein Teil der
Meute forderte wegen der Hitze einen Badenachmittag. Und so
begab ich mich auf die Suche nach einem Campingplatz. In Antibes
stellten wir unsere Zelte auf und teilten uns in eine Gruppe
Badende und eine Bikende. Mario hatte uns einen guten Tipp
gegeben, wo wir hinfahren sollten. Wir, die Nicht-Faulen,
fuhren in die Gorges du Loup, eine Schlucht mit einem Wasserfall,
und besuchten als Abschluss das Dörfchen Gourdon, berühmt
wegen seiner Parfumerzeugung. Als wir Abend zurück kamen,
machten sich ein paar Verrückte gerade auf den Weg nach Monaco,
um, wie sie uns am nächsten Morgen erzählten, in einem Beisl
vor dem Casino ein kleines (2cl) Vier um ATS 100,-- zu trinken,
weil ja angeblich sonst nichts los war. Ich glaube eher, sie
fanden sich in der Nacht in Monaco nicht zurecht gefunden.
Die Daheimgebliebenen machten es sich im Restaurant beim Bier
gemütlich. Und nach der Sperrstunde überfielen wir den Ritter
Franz und machten seine 5 l-Bottle Rotwein auch noch leer.
Am
nächsten Morgen war das Aufstehen ziemlich mühsam. Mein Kopf
passte gar nicht durch den Zelteingang. Da unsere beiden Franzln
während unseres Ausfluges am Vortag die Suzuki mit dem gebrochenen
Hilfsrahmen total zerlegt (ein Bild für Götter) und mit Draht
(wo sie den wohl wieder her hatten) zusammengebastelt hatten,
konnte die Fahrt nach Monaco weitergehen. Inzwischen waren
wir wieder einmal einen halben Tag im Rückstand. Nach unserem
Besuch in der Altstadt und beim Fürstenpalast meldete Mike:
„Mein Geldbörsl ist weg, wir müssen zur Polizei!“ Der Rückstand
in den Tagesetappen wurde wieder einmal größer. Um etwas Zeit
zu sparen, fuhren wir das letzte Stück Küste die Autobahn.
Unsere Rennfahrer (Toni, Mike, Hubert und Mario) nützten das
natürlich aus und kontrollierten, wie schnell ihre Bikes gehen.
Nach einer schönen Fahrt durch die Hügel rund um die Weinstädte
Alba (Barolo) und Asti (Cinzano) habe ich mich bei der nächsten
größeren Stadtumfahrung wieder einmal vergoglt. Ich hatte
gehofft, unbemerkt meinen Fehler ausmerzen zu können, aber
weit gefehlt. Beim nächsten Halt wurde ich gefragt, ob ich
mich meiner Mitfahrer schämen würde, weil ich mit ihnen über
Feldwege fahre. Am Abend, in der Nähe von Stresa am Lago Maggiore
auf einem Campingplatz, geriet ich wegen eines blöden Kellners,
der mir zuerst das Kotelett, dann nach wütender Urgenz die
Suppe brachte und als das Fleisch kalt war, die Pommes servierte,
obwohl er zuvor genau die Reihenfolge von mir wissen wollte,
in Rage. Ich tröstete mich schließlich mit Bier und Rotwein.
Am
nächsten Morgen wieder einmal, na was wohl, Regen. Aber nachdem
wir zum ach ich weiß nicht wieviel hundertsten Mal getankt
hatten, hörte der Regen auf. Bei der einzigen echten Grenzkontrolle
in die Schweiz (die Zöllner wollten uns einfach sekkieren)
war es schon wieder schön. Nach einem Abstecher von Locarno
in das Verzasca Tal (wo wir uns eine 1000 Jahre alte römische
Brücke und einen tollen Fluss zum Baden ansahen), der einigen
von uns nicht gefiel, bewegten wir uns entlang des Comer Sees
Richtung Stilfser Joch. In Bormio blieb unser Manfred einfach
stehen ohne die anderen zu informieren (seine Yamaha klingelte
und machte „unnatürliche“ Geräusche). Zum Glück blieb ich
zu Beginn der Stilfser Joch-Auffahrt stehen, um unseren Rennfahrern
freie Fahrt zu geben. Nach einiger Zeit ist auch unser Manfred
wieder aufgetaucht. Er erklärte, er könne nur mehr langsam
über den Berg fahren. Gesagt, getan. Einige von uns setzten
zu einem wahren Rennen über den Berg an. Ihr müsst einmal
in vollem Tempo bei einem ungewollten Sprung über eine heimtückische
Welle eine Schwalbe probieren! Das Einzige, das von mir am
Motorrad blieb, waren die Hände. Das Beste kommt aber noch:
Unser Manfred, der Franz und Schlusslicht Sepp schafften es,
einfach auf halben Berg in die Schweiz abzubiegen, ohne es
zu bemerken. Ein Grenzübergang stellte dabei kein Hindernis
dar. Wir anderen oben auf dem Berg machten uns natürlich Sorgen,
wo die Drei abgeblieben waren. Nachdem wir einige andere Biker
gefragt hatten, machte ich mich mit Mike auf den Weg nach
Bormio, um sie zu suchen. Das Ergebnis: Der Weg war umsonst.
Als wir wieder alle in Trafoi beisammen waren, hatten wir
wieder einmal 2 Stunden verloren. Aber es war ja erst 20.00
Uhr abends, und wir hätten noch 150 km zu fahren gehabt, um
unser Etappenziel zu erreichen. Da es auch noch stark zu regnen
anfing, begann ich mich bald nach einem Quartier umzusehen.
In Naturns fanden wir eines - es war inzwischen 21 Uhr. Der
Magen hing uns allen schon bis zu den Zehen. Da uns nur mehr
ein Lokal verköstigen wollte, und wir noch etwas Zeit hatten
(der Pizzateig musste erst noch gemacht werden), verkosteten
wir noch einige Flaschen guten Weins unseres Hausherrn. Den
restlichen Abend über war das Gespräch Nummer 1 natürlich
Manfreds Motorrad. Am nächsten Morgen in Meran verließ uns
Manfred mit seinem scheppernden Gefährt. Wir setzten den Weg
über das Gampenjoch und den Mendelpass Richtung Bozen fort.
Ach ja, da fällt mir ein, Beim Halt auf der Passhöhe nach
einer tollen Auffahrt hatte unser Kawasaki-Manfred keine Hinterbremse
mehr. Sein toll gewartetes Motorrad hat einfach die Bremsbeläge
verloren. Nachdem er aber sogar Ersatzbeläge mit hatte (großes
Lob!), begannen wir sofort mit der Reparatur. Als wir fertig
waren, stellte Isabella fest, dass wir nicht mehr als 10 Minuten
gebraucht hatten und uns sofort bei einem Formel 1-Rennstall
melden müssten. Zu meiner Überraschung ist die nächste Stunde
einmal nichts passiert. Auf dem Weg zum Karrerpass gab ich
wiedereinmal “Feuer frei“ und keine 5 Minuten später standen
Mike und Toni am Straßenrand und plauderten ganz andächtig
mit den Bullen. Die Anderen hatten sich das Grinsen nicht
zurückhalten können. Die Beiden hatten Glück und kamen mit
einer Verwarnung davon. Ein paar Kurven später fanden wir
Mike neben den Scherben seiner Suzi stehen. Der Verbau in
Fetzen, der Motor ein Loch und das Bike samt Mike und Gepäck
über und über mit Öl besudelt. Mein Versuch den Motor wieder
abzudichten schlug fehl, da das Loch zu groß war. So mußte
das Bike eben dableiben bis ein neuer Ersatzteil aufgetrieben
wurde. Durch diese neuerliche Verzögerung (wir hatten ja bei
dieser Reise fast keine) mußte ich ein wenig umplanen um halbwegs
im Zeitplan zu bleiben. Im laufe unseres letzen Tages verabschiedeten
einige Teilnehmer (sei es um weiter Urlaub zu machen oder
auf einem anderen Weg nach Hause zu fahren) und so kamen nur
mehr zwei Drittel der Gestarteten im endgültigen Ziel an.
Bei ein paar Bier wurde dann noch über das eine oder andere
Ereignis bei der Tour besprochen.
Das
Resümee dieser Tour: Sehr schön aber einfach ein zu großer
Haufen......oder wurde doch von mir zu wenig Zeit eingeplant?
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